Multilingual: Ungarisch – Sprachinsel im Herzen Europas

Written by on 8. Januar 2018

Ungarisch ist auf dem europäischen Kernkontinent die einzige uralische Sprache inmitten von romanischen, slawischen und germanischen Sprachen. Tobias Holub hat den Dichter Angyal Gyula getroffen, der seine Werke auf Deutsch und Ungarisch vorträgt. Das ist gar nicht so einfach, denn die beiden Sprachen funktionieren nach einer vollkommen anderen Grammatik.

Räumlich nah, sprachlich fern

Wie das bei Nachbarn so ist, beeinflussen sie einander oft zwingendermaßen – zumindest, wenn sie hunderte Jahre nebeneinander existieren. So ist das auch bei Ungarisch und ihren Nachbarsprachen. Ungarisch ist streng genommen dem Finnischen und Estnischen näher, als jeder Sprache um Ungarns Grenzen – denn sie sind aus derselben Sprach-Urfamilie. Dennoch, gerade Deutsch hat während der Herrschaft der Habsburger über Ungarn sprachlich abgefärbt: Bäcker heißt pék, Semmel ist zsemle, Schemel ist sámli. Doch die Grammatik ist eine vollkommen andere.

 

Karte mit farblichen Einzeichnungen der Sprachfamilien um Ungarn

Ausschnitt einer Sprachfamilien-Karte von Europa | Quelle: geographie.files.wordpress.com | Bearbeitung: Pia Miller-Aichholz

 

Inhaltlich gleich, zeitlich verschieden

Heute wird Ungarisch von 13 bis 15 Millionen Menschen gesprochen. Einer davon ist der Puszta Cowboy, eigentlich Angyal Gyula. Er organisiert Poetry Slams in Budapest. Zwar ist er Dichter und hat auch schon publiziert, doch am Poetry Slam reizt ihn, dass er unmittelbar Feedback von Publikum bekommt. Angyal trägt oft zweisprachig vor – auf Deutsch und auf Ungarisch. Dabei sind die deutschen Versionen eines Gedichts länger, als die ungarischen. Während im Ungarischen die grammatische Funktion eines Wortes durch Affixe bestimmt wird, also Wortteile, die entweder vorne oder hinten an den eigentlichen Wortstamm gehängt werden, braucht es im Deutschen für dieselbe Bedeutung mehrere Satzteile.
Beispielsweise heißt Sessel auf Ungarisch szék. „Auf dem Sessel“ heißt im Ungarischen schlicht „széken“.

 

Weiterführende Informationen:

Ungarische Botschaft Wien

Der Beitrag zum Nachhören:

 

Und hier das ganze Gedicht „Zaubereich mit Windgeiger“ von Angyal Gyula zum Nachlesen:

Deutsch

Der Winter rastet, er sitzt herum, sein bereifter Harm winkt mir.
Ich bin der garabonzische Student, ich zupfe die Saiten hier.
Mein Spaziergang ist Krampuslaune, Germerchassis, Einsamkeitheer.
Auf den Funken meiner Finger tanzt eine Zauberei mit Windgeiger.
Mein Hut ist Morgendämmerung, mein Umhang ist der Kurier des Nebels.
Um meine Knöchel schlendert herum der Feber.
Es schmeißt Halblächeln und Hoffnungaugeflimmer,
die Blinzen engen ihre Wamsen ein im Himmel.
Über schöne Mädels träumen alle Froschprinze,
frostige Köcher schiessen Kristalle auf die Zweigspitzen.
Ein Germerpalotás tanze ich auf der Wiese,
einen weißen Zugluftschloß öffne ich auf der Hemisphere.
Das Geheimnes des Winters schlängelt auf meinem Brambogen, er dringt,
der Geigermut, der schleichende Fremdling,
der sorgenfreier Schalk in einem undendlichem Asylchen.
Harfende Silbertannen begrüßen meinen Hupf, ja sicher!
Mein Schnürstiefel sind hoppelnde Messen, Geschäker von den Hansel.
Allen schlummernden Schönheiten salutiere ich mit Schmatzer.
Brise und strenger Frost zerzausen meine Mähne, sie bummeln,
unter meiner Achsel schwingt der Polkamankoritmus, dieser elfenartiger Kumpel.
Er zitiert Gedichte, Rumpelstilzchenreime und
hier haucht er Germer, Magie und Eingebung.
Die Zeit, dieses gestrige Tschocherl, diese Vergangenheitkneipe huscht.
Aus meiner Haarbreiten dränge ich eine bübische Bratschesaite raus.
Und später, wenn mein Feber-Figaro-Kapriole ermattet zu schunkeln,
der Germer, der Windgeiger und die Zauberei gehen schlummern.

Ungarisch: Szélhegedűs varázslat

tél pihen, üldögél, zúzmarás búja int
garabonciás diák vagyok, pendítem húrjait
sétám krampuszkedély, hunyorsasszé, magányhad
ujjam szikráin táncol szélhegedűs varázslat
kalapom pirkadat, köpenyem ködfutár
bokáim körül bóklászik a február
feldob félmosolyt, reményszemcsillámot
összehúzzák zekéiket az égi pislákok
kislányról álmodik minden békaherceg
kristályokat lőnek ágvégre fagyos tegzek
zúzmarapalotást lejtek a réten én
fehér huzatkastélyt nyitok e féltekén
téltitok kanyarog szemöldökívemen
hegedűhangulat, osonó idegen
gondtalan kópé, végtelen menedék
szökellésemet üdvözlik hárfázó jegenyék
bakancsom baka-incselkedés, ugrabugra mértékek
pusszantással szalutálok minden szundi szépségnek
hajamba kócol szellő és zimankó
hónom alatt pajkos pajtás polkamankó
verseket citálgat, manós rímeket
itt lehel zúzmarát, mágiát, ihletet
idő suhan mögém, kocsmategnap, csárdamúlt
hajszálamból hajszolgatok kacajos brácsahúrt
később ha februárfigaró szeszélyem alábbhagy
elszunnyad a zúzmara, szélhegedű, varázslat


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