Der Prater als Labor der Moderne
Written by femality on 26. Juni 2025
Das neue Pratermuseum im Prater gibt es seit über einem Jahr. Susanne Winkler und Werner Michael Schwarz haben das Museum kuratiert. Susanne Winkler trifft uns für unser Summerspecial im Museum selbst und erzählt uns mehr über die Geschichte des Praters. Der Prater, davor kaiserliches Jagdgebiet, wurde als weitläufiges Erholungsgebiet 1766 von Kaiser Joseph II. für die Öffentlichkeit geöffnet. Und war damit nicht nur für den Adel, sondern für alle Bevölkerungsschichten offen. Bald kamen Wirts- und Kaffeehäuser in den Prater und später Zirkusleute. Der Prater war nicht nur ein Ort für Vergnügen, sondern auch ein Ort für Interaktionen. In Zeiten der Industrialisierung, wo Freizeit immer wichtiger wurde, wurde der Prater zum Erholungs- und Vergnügungsort. Der Begriff „Labor der Moderne“ wird geprägt, um die Rolle des Praters als Experimentierfeld für neue Technologien und das gesellschaftliche Leben zu betonen.
Winkler erklärt, dass der Prater ein Ort war, an dem Neues ausprobiert wurde, wie Kinos oder das Riesenrad, das 1897 eröffnet wurde. Die nostalgischen Elemente der Ausstellung stellen Attraktionen wie das Kasperltheater und verschiedene Fahrgeschäfte dar. Auch die Geschichten von außergewöhnlichen Persönlichkeiten, die im Prater lebten oder arbeiteten, werden gezeigt. Aber es werden auch die dunkleren Kapitel der Geschichte des Praters, konkret die Zeit des Nationalsozialismus oder die Menschenschauen, thematisiert. Das Museum widmet auch dieser Thematik Raum und stellt die Geschichten der Betroffenen, wie der Familie Deutschmeister, vor. Mit einem Wimmelbild, das Geschichten aus verschiedenen Epochen zusammenbringt, sollen Besucher*innen angelockt werden. Die Idee, Geschichte auf eine unterhaltsame und zugängliche Weise zu vermitteln, wird als zentral für das Museumskonzept angesehen. Der Prater bleibt als zentraler Bestandteil des städtischen Lebens von Wien relevant, indem er Raum für Erholung, soziale Interaktion und Geschichtenerzählen bietet. Sendungsgestaltung: Simon Fuchs, Hannah Jutz und Sarah Tiefenbacher.