„Bezahlte Inhalte funktionieren nicht“

Written by on 7. April 2016

Zu Gast bei Inside Media ist „Journalist des Jahres“ und „Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak. Im Talk erklärt er, dass bezahlte Inhalte im Online-Zeitungswesen nicht funktionieren, wie er den umstrittenen Kommentar zum „Islam-Ausübungsverbot“ von „Österreich“-Herausgeber Wolfgang Fellner sieht und wie wichtig Satire für den Printbereich ist.

Für seine TV-Satire auf die verpönte Geste – den ausgestreckten Mittelfinger – des früheren griechischen Finanzministers Yannis Varoufakis erhält der deutsche Comedian Jan Böhmermann in diesem Monat den renommierten Grimme-Preis (Medienpreis). Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel rügte Böhmermann wegen des Satire-Auftritts. Mittlerweile gibt es Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Böhmermann und ZDF-Verantwortliche. – Nicht nur für das Fernsehen, auch für Print ist Satire wichtig. „Das muss aber von Leuten gemacht werden, die das können“, so Rainer Nowak. Sehr erfolgreich mit satirischen Berichten ist die „Tagespresse“ von Chefredakteur Fritz Jergitsch. Zu Berichten, wonach es Angebote von Verlagshäusern an die „Tagespresse“ gegeben hat, diese zu übernehmen, meint Nowak: „Der Charme eines journalistischen StartUps besteht im StartUp-Da-Sein.“ Wenn es in ein größeres Unternehmen oder Ressort eingegliedert werde, würde der kreative Output eher verloren gehen: „Humor ist eine diffizile Sache“.

Rainer Nowak, „Presse“-Chefredakteur und Herausgeber, ist vom Branchenblatt „Der Österreichische Journalist“ zum „Journalisten des Jahres“ gewählt worden. Für ihn stellt die Auszeichnung eine Anerkennung der Leistung der gesamten Redaktion dar. Wichtig sei der richtige Mix an Leuten, die mitarbeiten, so Nowak. Man bemühe sich um Inhalte, die „unique“ (einzigartig) und so nur in der „Presse“ zu finden seien. Zum umstrittenen Kommentar des Zeitungsherausgebers Wolfgang Fellner, der eine Diskussion über ein Ausübungsverbot des Islam forderte, meint Nowak: „Ich möchte dazu nicht zu viel sagen, da ich Wolfgang Fellner nicht zu viel ,Ehre‘ erweisen möchte.“

Die Branche steht vor großen Herausforderungen, auch wegen der Konkurrenz zu Social Media – das Magazin „Datum“ legt etwa eine Pause ein, um nach einer Neuausrichtung ab September 2016 wieder zu erscheinen. Das „Wirtschaftsblatt“ wird jedoch mit Anfang September eingestellt. – „Meine Wunschvorstellung für die Zukunft wären ePaper-Abos, das wäre auch im Sinne der Umwelt“, so Nowak. Aus seiner Sicht ist klar, dass „Paid Content“ (journalistische Inhalte gegen Bezahlung) im Online-Bereich nicht funktioniert: „Das versuchen international mehrere Medienhäuser erfolglos“. – Was Rainer Nowak zum Vorwurf sagt, LehrredakteurInnen bei der „Presse“ müssten für ihre „Lehrzeit“ bezahlen, verrät er bei „Inside Media“.

Ausschnitt aus dem Gespräch mit Nikolaus Koller – Rainer Nowak zum umstrittenen „Islam“-Kommentar von „Österreich“-Herausgeber Wolfgang Fellner:


Inside Media mit Rainer Nowak zum Nachhören:

1) Auszeichnung als „Journalist des Jahres“ und Umbruch der Medien-Szene:


2) Die Doppelfunktion als Chefredakteur und Herausgeber:


3) Wichtigkeit von Satire und Medienpreis für Jan Böhmermann:


4) Tipps für junge Talente:


Foto: © „Die Presse“_Christine Pichler


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