Stimmen machen Menschen

Written by on 6. Mai 2021

Sie ist das Sprachrohr der Seele. Mit ihr kommunizieren wir lange bevor wir wirklich sprechen können – die menschliche Stimme.

Während sie uns als Baby dabei hilft, unsere Bedürfnisse mitzuteilen, verrät sie im Laufe unseres Lebens auch Details über unser Wohlbefinden, über unsere Sorgen, Ängste und über unsere Identität. Nicht immer möchten wir diese Geheimnisse preisgeben. Von manchen Geheimnissen wissen wir nicht einmal selbst.  Und doch verraten wir sie aufmerksamen Zuhörer*innen und wundern uns, wieso unser Gegenüber uns ganz anders wahrnimmt, als wir es vielleicht möchten.

Doch was ist, wenn die Stimme nicht zu der Person passt? Wenn man seine eigene Stimme nicht ertragen kann? Wenn man sich sogar dafür schämt? 

Vor einigen Wochen  haben sich Johanna Hirzberger und Nora Schäffler auf die Suche nach dem Einfluss der Stimme die Identität begeben. Dazu haben sie mit Personen aus der Logopädie, Schauspiel, Atem- und Sprechtraining gesprochen. Und, sie haben Personen begleitet, die selbst gerade dabei sind oder waren ihre Stimme zu finden.

Ich spreche also bin ich

Eine von ihnen ist Christine Mayrhofer, die 27-Jährige ist seit sechs Monaten in der Sprechausbildung:
“Am Anfang war das für mich eine Herausforderung, man gibt extrem viel von sich Preis beim Sprechtraining. Einmal fragt mich ein Coach, wie alt bist du eigentlich, die hörst dich an wie eine 21-Jährige. Da fällt dir alles runter.”  

“Wenn man sich zum ersten Mal selber hört, also von einer Aufnahme, dann ist das gleich für jeden so, wie kann man Freunde haben”, Mathias Frank lacht als er von seiner ersten Sprech-Trainingseinheit spricht. Der ehemalige Radiomoderator hat 2016 seine Sprecherausbildung absolviert. Heute fühlt er sich selbstbewusst und selbstsicher im Umgang mit seiner Stimme. 

Mit der Stimme Geld verdienen

Katharina Klavacs ist Sängerin, Gesangspädagogin und Logopädin. Zu ihren Schwerpunkten gehören Stimmtherapie und Stimmcoaching von Künstler*innen. 

“Manche dieser Patienten haben Sorge, dass ihre Stimme nach der Therapie anders klingt und wollen gar nicht in Therapie, weil ihre Stimme ihr Alleinstellungsmerkmal ist mit dem sie Geld verdienen.” – Katharina Klavacs

Mit Zeit, Ruhe und Respekt versucht Katharina Klavacs das Vertrauen zu ihren Patient*innen auf zu bauen.

Stimme und Geschlecht

Eine von ihnen ist Anna Ritter. Die Vorarlbergerin hat vor zwei Jahren ihren Weg in Klavacs Praxis gefunden, als sie sich für eine Geschlechtsumwandlung entschloss. Damit wurde ein neuer Abschnitt ihres Lebens eingeleitet. 

“Ich habe meine dunkle, tiefe Stimme fast gehasst. Die Stimme hätte ich am liebsten sofort verändert.” Anna Ritter

Doch so schnell ging es nicht. Nach einigen Monaten harter Arbeit ist Annas Stimme heute um zwölf Oktaven höher. Durch regelmäßiges Üben und gelegentliche Termine mit Katharina Klavacs ist Anna heute mit ihrer Stimme zu frieden und fühlt sich wohl. Auch Sarah Michelle Fuchs hat im Zuge ihrer Geschlechtsumwandlung eine logopädische Therapie in Anspruch genommen. Heute präsentiert die Psychotherapeutin ihre Stimme selbstverständlich und selbstbewusst. Ein Mal im Monat moderiert sie sogar eine niederösterreichische Radiosendung in der sie die Top 40 Schlagercharts präsentiert. 

Was all diese Personen zeigen? Stimme ist vielfältig, sie gehört zu einem selbst. Mag man seine Stimme nicht, hat das vermutlich einen Grund. Geht es der Stimme gut, geht es der Seele und dem Selbstbewusstsein gut.

Feature: Johanna Hirzberger

Redaktionelle Mitarbeit: Nora Schäffler

 

Servicelinks:

Transgender Team Austria

Robert Reinagel: Sprechtrainer, Burgschauspieler, Sprecher

Markus Schlager: Atem- und Sprechtrainer

 

(c) Beitragsbild: Jason Rosewell via Unsplash


[There are no radio stations in the database]